Wolfgang Molitor Alles im Griff
Eine Studie zum Verhältnis von Weiblichkeit, Wahn und Weizenbier

Aliquando praeterea rideo, iocor, ludo, homo sum
Plinius der Jüngere



Aber selbstgefällig, selbstgefällig sei ich ganz sicher. Wie, palmwedelt's denn blättrig aus trauter Region? Ah was; Selbstzweifel, man kann's auch übertreiben; lobt doch kein Stein, pardon: Schwein mein stetig' Müh'n; im Gegenteil, ich bin - unerkannt? lntolerant! Vorderhand, doch falsch benannt - ein Weizen vom Faß, Herr Bonzo, beeil' er sich -; deine Ignoranz, meine Toleranz: Nicht umsonst taumelt verzückt Frau Minne durch den Blumengarten rigoros ...

Oh ja, die Schnauze halten; doch, verstehe ich, nur, bedenk' sie sich und sag' sie mir: Wer brach vom Stapel, Mist, Topos? Zaun! den unsel'gen Streit, ich oder - danke - ich oder - was soll'n das heißen, das letzte für heute? Welch seltsame Schänke, aaaah, was schaut der Bursche so zapfhahnartig, macht mich ganz krank, ernsthaft, - ja, verschwind schon.

Nicht mal voll das Glas, Einsparung ist Kunst, was? Wie; nicht gut? naja ...

Also, wie war das jetzt? Wieso stockbesoffen? Natürlich KANN MAN MIT MIR REDEN, warum denn nicht?

Karl, KARL, ich flehe dich an, du mußt den ohmschen Widerstand, der Widerstand geht hin zu Null, das sag' ich dir so, Karl!

Lärm vom rechten Nebentisch, Proletenpack, morgen wieder'n Termin beim Vormundschaftsgericht; dagegen ich, ich muß - was soll der Lärm? - in den Schuldienst, FAHREN allzu früh, ein fahrender Scholast, ha! ...

'tschuldige, regen mich immer auf, diese Krawallmacher, meucheln jedes Gespräch unter vernünftigen - ich? wieso verarschen? Aber wo - unter vernünftigen Menschen, is' doch wahr.

Also wie war ... - ja, verstehe ich, bis - bis wohin steh' ich - ah, bis hier, doch so weit, ja?

Entweder man weiß das mitunter merkwürdige Verhalten (uh!) der Vertreterinnen des schönsten aller Geschlechter (u-uh!) zu nehmen oder man ... kurz: Sie verstehen ihr Handwerk oder Sie verstehen es nicht. Ich zum Beispiel - Einwändedasistnichtderfall -, ich kann mit Frauen umge-hen, aber sicher.

Aber nicht länger mit dir? Was'n das jetzt schon wieder? Wie: Wenn, dann ist es besser, wie: AUS? ...

Ah, nein, nein, soweit sei das schon klar. Allerdings - ich müsse es gestehen - quäle mich - wenn ich das mal so sagen dürfe - die Koinzidenz von Gehalt und Gestalt ihrer Äußerungen; sie, Claudia, habe offensichtlich keine Ahnung, welche Last die gegebene Form ihrer Belanglosigkeiten für mein empfindsames Gemüt darstelle; die Krise des Sinns erfülle sich doch ohnehin zur Genüge in der Form, betrachte man ...

Eine verdammte Drecksau? hm, ein gottverdammtes dreckiges Sadistenschwein?, hmhm. Das scheinen mir so langsam die ersten Anzeichen, daß mir die Kontrolle entgleiten könnte, wenn ich nicht nächstens behende und in lenkender Weise eingreife. Na, sei's:

Hör' mal, tut mir leid, falls ... Mein verwichstes Maul? Nana, sollte ich die Eigendynamik dieses ganzen Unfugs unterschätzt haben? Steht am Ende Arbeit an?

Liebling, ehrlich, ich ...

Ich spreche von der Akzeptanz-Research, Kessler, und in diesem Seminar erzielt die Gruppe Breitkrum, man kennt das, einfach keine suffizienten Ergebnisse. Ich bin selber auch kein besessener Arbeiter, wie du siehst, gönne ich mir ohne weiteres mal ein Bier, aber wenn die Versiertheit von Wirtschaftsseite verlangt wird, muß ich doch ...

Treu faszinierend schwebt und seltsam kühl von Norden - die Hirninsuffizienz? Ergebnisdivergenz? Oh nein, ihr Herren zur Linken, nicht gerade dieses, nicht gerade jetzt! Ruhig und konzentriert stattdessen:

Liebling, entschuldige, ich war kurz abgelenkt - was vorhin ...

Der Schlupf? Herrgott, der Schlupf! Ich scheiß' dir auf den Schlupf, '74, wie ich drunten in Monago, nix, Monte Carlo: Ich sage dir, die Differentialdings mußt' in Kurven, horch, nicht unterschätzen!

Aha, nun also wieder diese Variante, von rechts. Trotz der zugegebenermaßen hübschen Formulierung - nicht ohne Kühnheit, nicht ohne Kraft - geht mir das jetzt aber endgültig zu weit. Denn immerhin, zu unterschätzen ist die Entwicklung keineswegs! Gerade ist Claudie noch drauf und dran, ein bißchen freundlicher dreinzugucken und schon, kein Wunder bei diesem unguten Gebrülle, alles weggeschlupft, das ganze kleine Lächeln, DRECK.

Neuer Anlauf. Schnaberl, wenn ich - ah, na bitte, Schnaberl zieht immer noch, tja, man muß eben -

Ernsthaftigkeit ist in unserer Sprache das A und O ...

- wissen womit -

Doppelvergaser! Ich BITTE DICH! Was machst denn beim ersten ...

Ja, was machst'. Reicht's? Es reicht! Heiligen Zorn im Gesicht fahre ich herum; von diesem asozialen Pack werde ich mir nicht meine Arbeit zunichte machen lassen: Von euch asozialem Pack hab' ich jetzt genug! Haltet vielleicht mal für fünf Sekunden eure dummen Schandmäuler!

Den ersten Schlag blocke ich - und zwar recht geschickt, muß man schon sagen - ab; dem zweiten läßt sich ohne nennenswerte Anstrengung ausweichen - besoffene Trottel, was soll's. Dafür sitzt der dritte - oh Hybris des Menschengeschlechts! Nicht länger ridens, cadit gaudericus - dafür sitzt also der dritte, eine üble Gerade, schlichtweg genau. Ich knalle hinreichend hart auf den Holzfußboden, und der Prolet will sich, soweit ich sehe, auf mich stürzen, doch läßt er sich von seinen Saufkum-panen bereitwillig zurückhalten.

Stattdessen Claudia über mir. Schatz, Liebling, hast du dich verletzt? Mann, was läßt du dich denn mit so Typen ein ... Sie streicht mir die Haare aus der Stirn und küßt mich. Komm wir fahrn nach Hause, ja? Bitte ...

Gerne, amata formosa, gerne. Ich sag' ja: Mit Frauen muß man umgehen können. Und palmwedelte man mir denn nicht schon allein aufgrund dieser Erkenntnis zu Recht?