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| Helge Dawo |
Die Monolog mit einer Römerin Ja, meine Liebe, ich springe nicht mehr so oft aus Fenstern wie früher (wenigstens nicht aus allen), und ja, mein Schatz, natürlich stimmt, was du mir damals gesagt hast: manche Stürme enden schneller als andere (und die großen - leider - in der Regel zuerst). Aber mit meinen Hörnern (aus der Requisite) und den Fledermäusen (aus Plastik), die genauso wie ich von Tag zu Tag zutraulicher werden, sitze ich immer noch gern auf dem Glockenturm hinter deinem Garten und schaue dir beim Pfirsichpflücken zu. Es ist schade, denke ich dann, daß Pfirsiche nicht immer gepflückt sein wollen. Oder daß, denke ich auch manchmal, wenn die Sonne eine Kokosnuß wäre, man sie nur mit einer Axt entzweizuschlagen bräuchte, wenn man Durst hat. Oder wie schön es wäre, wenn Rom einmal wieder brennen würde. Oder ganz einfach daran, daß man mich ja inzwischen zum Papst gemacht haben könnte. Dann atme ich tief durch, klopfe mir vorsichtig mit dem Huf (der hierfür sehr geeignet ist) an die Hörner - und bin erleichtert. Natürlich siehst du noch immer gut aus. Auch mit deinem Doktorhut. Und natürlich könnten wir, wenn uns danach ist, auch wieder übereinander herfallen wie die Löwen. - Aber bestell' heute mal 'nen Christen zum Nachtisch! Manche Dinge, laß es mich so sagen, waren halt besser - in Rom. Der moralische Tiefgang (sprich: Romantik) war noch nicht so 'en vogue', und das schlechte Gewissen (Gewissen überhaupt - zum Beispiel vor, während und nach dem Sex oder dem Krieg) hatte noch nicht die wirklich große Lobby auf seiner Seite. Griesgrämerei, besonders erotische, war schlankweg als nicht gesellschaftsfähig geächtet - und auch als nicht regierungsfähig: Ein Kaiser kann kein Eunuch sein. Aber genug geredet. Manchmal träume ich davon, daß ich älter werde (alt wie die Berge) und weiser (weise wie Seneca) und müder (müde wie Wotan) - und dann nehme ich ein heißes Bad und höre den Ring auf dem Hifi oder die Neunte von Bruckner (ich bin halt deutsch und schwer und leider so ganz ganz wenig italienisch. Mein Herz aber gehört Poppea und Carmen und natürlich dir, meine Liebe, und die Liebe ist frei... |