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| Helge Dawo |
Schoßhündchenmodus Eine feine Gelegenheit, der Welt mal eben auf eine originelle Weise Lebewohl zu sagen und dich eine unbestimmte Zeit in die Geheimnisse der Papierfaltkunst zu vertiefen, bietet sich dir bekanntlich vorzüglich dann, wenn - gerade noch tobte ein Wirbelsturm ekstatischer Leidenschaft über dich hinweg, und deine Nachbarn hämmerten hingerissen gegen die Wände -, das hierbei behilfliche Luder (in der vorliegenden Situation heißt dieses zufällig Paula oder so ähnlich) gekonnt von deinem Küchentisch herabklettert, um, wie es sagt, mal eben schnell dieses oder jenes zu erledigen. Eine fast noch vortrefflichere viereinhalb Wochen später in dem malerischen Ambiente eines zentral gelegenen Möbelgeschäftes etwa in dem Moment, wenn es dir - wir reden von demselben Luder - auf die Mitteilung deines dringenden Wunsches hin, von der Robustheit der verschiedenen Arten des hier ausgestellten Mobiliars dich ausgiebig überzeugen zu wollen, antwortet (und das mit einem Tonfall, der stark an eines der typischen Bildchen von Breughel erinnert): "Gerne, aber mit wem denn bloß?" Dann steckt Paula oder so sich gekonnt zwei Finger in den Mund, stößt einen Wohlgefallen auslösenden Pfiff aus, und wartet geduldig, bis in ihren ausgebreiteten Armen sich etwas Maskulines mit Rettungsschwimmerambitionen materialisiert und verwegen glotzt. In diesem Fall hilft die Volkshochschule. Da der Kurs für Origami schon ausgebucht war, begab ich mich zu einem stadtbekannten Veterinär und fragte ihn, ob er vielleicht Lust hätte, mir ein bißchen seine Karteikarten auszuborgen, damit ich daraus Kraniche herstellen könnte. Völlig erwartungsgemäß war die Wirkung, die meine höfliche Bitte auf den Gott der Haustiere in Weiß hatte, eine grandiose. Erst nickte er überaus kräftig und lange mit dem Kopf, dann widmete er sich eine Weile der Ertüchtigung seines Körpers durch Seilspringen, wozu er sein Stethoskop verwendete. Schließlich faßte er sich ein Herz, stemmte eine Trillerpfeife in die Höhe und brachte damit eine sehr umständliche und wunderschöne Melodie hervor. Auf letzteres hin trat Sylvia, seine stattlich gebaute Sprechstundenhilfe, mit Verve und nachhaltig in mein Leben. Wir leben jetzt schon einige Wochen zusammen, Sylvia und ich, und ich glaube, die Sache könnte was ernstes werden. Gestern erst hat sie mir eine hübsche, rote Schüssel gekauft, mit meinem Namen drauf, und das Halsband gegen Flöhe, das ich ihr zuliebe trage, hilft wirklich. |