Topicana

Eine Reihe des VS-Saar
Edition Saarländisches Künstlerhaus

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Andreas Dury

Andreas Dury
geboren 1961 in Oberbayern. Studium der Philosophie, Geschichte und Germanistik. Schriftssteller, Programmierer, Referent i. d. Erwachsenenbildung. Mitherausgeber div. Literaturzeitschriften (u.a. neue literarische Pfalz (2000 - 2002), Streckenläufer), seit 2001 im Vorstand des VS Saar.

Veröffentlichungen:
...als ich in die Stadt kam, Erzählungen, Annweiler 1999
Schachtelkäfer, Roman, Saarbrücken (Topicana 9/10) 2003
Auszeichnungen:
1999 Georg-K.-Glaser-Preis
2003 Martha-Saalfeld-Förderpreis
Andreas Dury, Schachtelkäfer

Andreas Dury, Schachtelkäfer;
Roman, Saarbrücken, 2003;
erschienen als Band 9/10 in Topicana.
269 Seiten, 10,00 € (ISBN 3-937046-02-X)

Textprobe:

Weit von ihm entfernt am anderen Ende des Schiffes, sprang der Diesel an. Jakob lag in seiner verschwitzten Kleidung auf der Pritsche. Die Einrichtung war raumsparend. An der grünen Kühlbox glomm ein rotes Licht. Wie die Betriebsbereitschaftsanzeige an den Spieltischen von Orgeln. Braunes Wasser schwappte gegen die Scheibe. Das Schiff legte ab und bewegte sich langsam zur Kanalmitte. Es gewann Fahrt und ein goldenes Licht fiel in den Raum, als sich der Wasserspiegel dort, wo der Bug ihn pflügte, zu einer Mulde beugte und das Bullauge freigab. Ein Reiher spie seinen gellenden Schrei und tupfte mit den Flügelspitzen konzentrische Kreise ins Wasser. Als er sich in einer Erle niederließ, wiegte der Ast lange sein großes Gewicht.
Nun ist es also tatsächlich wieder Tag geworden, dachte Jakob, als hätte er die Möglichkeit gehabt, daran zu zweifeln. Er wälzte sich von der Pritsche herunter und klappte die Kühlbox auf. Der Stoffbeutel lag so, wie er ihn am Abend zuvor hineingelegt hatte. Er nahm ihn heraus, griff hinein und fühlte die pralle Gummiblase. Kalt und schwer lag sie auf seinem Bauch, als er sich wieder zurücksinken ließ. Und groß wie das Euter von Kühen, die brüllend auf der Wiese stehen.

Schachtelkäfer: Einen Fuß zu küssen, ist nichts Besonderes, wohl aber, wenn er amputiert wurde. Mit diesem Paukenschlag beginnt Andreas Dury seinen Roman.(...)
Der Autor entwickelt zwischen geistreichen Apercus, sprachmächtigen, Athmosphäre schaffenden Sätzen (...) einen interessanten Roman. Er lebt von einem Einfallsreichtum eigener Art: Der Autor treidelt sein Romanschiff nicht auf geraden Kanälen. Vielmehr wartet hinter jeder Biegung eine Überraschung, sei sie sprachlicher Art, sei sie inhaltlicher Art, wie sie der einen amputierten Fuß küssende Jakob nun einmal nach normalem menschlichem Ermessen darstellt.(...)
Der Autor hat nicht nur Talent und Phantasie, Sprache und Mut - er hat auch (...) Beachtung verdient. (Harald Loch in der Saarbrücker Zeitung, 13./14. Dezember 2003)