Montag, 07. September 2026, 20 Uhr Saarländisches Künstlerhaus
Sebastian Schmidt: ›Powerschaum‹
Lesung aus seinem Debütroman (Verlag Das Wunderhorn)
Powerschaum von Sebastian Schmidt ist eine Mischung aus Science- und Social-Fiction. Die in naher Zukunft spielende Handlung fokussiert sich auf Sascha, der von seinen Freund:innen in einer Boutique eingesperrt wurde, um Rechenschaft für ein vermeintliches Verbrechen abzulegen. Die Vorgeschichte dreht sich um den Androiden Charly, der als Testlauf im Freundeskreis aufgenommen wurde, allen finanzielle Sorglosigkeit bescherte und große Beliebtheit erlangte. Nur Sascha blieb misstrauisch. Charlys Präsenz legte die tiefen gesellschaftlichen und klassenspezifischen Abgründe innerhalb der Gruppe offen, was letztlich zur Eskalation führte. Sascha rekapituliert in einer Rückschau die Ereignisse, seine von sozialen Unterschieden geprägte Ehe sowie seine Arbeit in einem Edelsupermarkt. Das Buch verhandelt kapitalistische Zwänge, soziale Mobilität und die Bedingungen des Schreibens im digitalen Zeitalter.
Sebastian Schmidt, 1983 geboren, lebt in Würzburg, verfasst Prosa, Lyrik sowie Essays und engagiert sich im Netzwerk Other Writers Need to Concentrate für das Thema Care-Arbeit. Für seine bisherigen Lyrikbände wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet.
Montag, 21. September .2026, 20 Uhr Saarländisches Künstlerhaus
Daniel Jurjew liest aus Hisashi Tôhara ›Hiroshima: Eine Stimme aus der Hölle‹
Dank der Übersetzung durch Daniel Jurjew, der an diesem Abend lesen wird, und Anika Kode sind diese erschütternden Aufzeichnungen eines Zeitzeugen nun erstmals auf Deutsch zugänglich – die ergreifenden Erinnerungen eines jungen Mannes an den Tag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Hisashi Tôhara ist achtzehn Jahre alt, als er das tragische Ereignis miterleben muss. An einem Sommertag verlässt er das Haus. Er befindet sich am Bahnhof, als ein Blitz die ganze Umgebung erhellt. Zur gleichen Zeit kommt ein Grollen aus der Erde, sein Nacken brennt. Wahrscheinlich sind es nur Sekunden, aber es erscheint ihm wie eine Ewigkeit. Kurz darauf ist es dunkel – alles ist von schwarzem Rauch erfüllt. Von den Straßen Hiroshimas ist nichts mehr übrig. ein Jahr später schreibt er in einem Notizbuch auf, wie er diese Katastrophe erlebt hat – dann schweigt er. Mieko Tôhara, seine Frau, entdeckt das Heft drei Jahre nach Hisashis Tod und veröffentlicht in Tokio fünfzig Exemplare im Selbstverlag für Freunde. So gelangt der Text an einen französischen Verlag, der ihn 2012 veröffentlicht. Tôharas Beschreibung dieses Tages ist so eindrücklich, dass sie auch in einer deutschsprachigen Ausgabe zugänglich sein muss.
Daniel Jurjew, geboren 1988 in Leningrad, übersetzte bereits Texte von u. a. Igor Bulatovsky, Jelena Schwarz, Wsewolod Petrow und Oleg Jurjew. Er lebt in Frankfurt a. M. und Trier.
nächste Jours fixes des VS Saar
Schweren Herzens hat der Vorstand beschlossen, den Jour fixe vorerst einzustellen. Das tut uns besonders leid -- eine so würdige alte Institution! Seit Menschengedenken haben wir uns zuerst im Presseclub am St. Johanner Markt, später dann im Saarländischen Künstlerhaus an jedem 2. Donnerstag im Monat versammelt, um über den Rand der Weingläser hinweg die Weltverhältnisse zu betrachten. Nur in den letzten Monaten kam fast niemand mehr. Wahrscheinlich ist der Russe schuld oder diese chinesische Corona. Wie auch immer, die Abstimmung mit Füßen müssen wir natürlich respektieren, alles andere wäre grobe Missachtung des Willens unserer Mitglieder.
Bis auf Weiteres bieten wir diesen Service also nicht mehr an. Sollte sich jetzt ein brausend-zorniger Aufstand in der Mitgliederschaft erheben, 3 Monate lang die Pforte des Künstlerhauses bambulemäßig belagern und eine Zeitenwende postulieren, können wir ja nochmal drüber reden.